MACH ES EINFACH!

Was würden wir machen, wenn wir nicht scheitern könnten? Wir würden Pläne einfach canceln, auf die wir keine Lust haben und mal abends zuhause bleiben und Pizza bestellen. Einen Theaterworkshop machen, obwohl wir eigentlich lernen müssten. Spontan übers Wochenende wegfahren. Ein Buch schreiben, einen Film drehen. Die Leute anquatschen, die uns immer über den Weg laufen. Von Klippen ins Meer springen, einen Marathon laufen, Sushi machen. Gut gelaunt und optimistisch in die Klausur gehen. Anfangen, Gitarrenunterricht zu nehmen. Einfach abbrechen, alles nochmal hinschmeissen und das machen, worauf wir wirklich Lust haben. Nicht alles 5 mal überdenken. Unser Leben leben.

Und wir machen das nicht, weil wir Angst haben damit zu scheitern. Und dabei scheitern wir. Automatisch. Nicht, weil wir nicht gut genug sind, nicht ehrgeizig genug sind. Sondern weil wir nichts falsch machen, aus dem wir lernen können, keine Erfahrungen sammeln. Weil wir zu Perfektionisten werden und uns an allem stören was nicht reibungslos nach Plan verläuft. Und so steigern wir uns immer mehr darein, in die Angst vor dem Scheitern.
“Tu es!” heißt es in einem Artikel einer kürzlich erschienenen NEON, der mich dazu gebracht hat, das hier zu schreiben, und ja, wenn man den Artikel gelesen hat, weiß man, dass ich das irgendwie nur nochmal in meinen Worten zusammen fasse. Es geht mir aber auch nicht darum, hier gerade neue psychologische Erkenntnisse aufzustellen, sondern nur für euch – und für mich selber – das zu wiederholen, was da steht, weil es so unglaublich viel Sinn macht. Weil wir Sätze wie “Just do it!” täglich lesen und es nachher doch nicht machen.
NEON / Februar 2015

Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, die uns so unendlich viele Möglichkeiten bietet, was wir mit unserem Leben anfangen wollen. Was wir machen und  wie wir unsere Zeit verbringen wollen. Uns stehen so viele Türen offen, wir gehören zu den privilegiertesten jungen Menschen dieser Welt. Uns wird Sicherheit geboten und wenn wir auch nur ein bisschen was  dafür tun, können wir ein Leben führen, von dem die Mehrheit der Weltbevölkerung nur träumen kann. Wir haben die Wahl. Aber statt dankbar dafür zu sein, beschweren wir uns darüber, wie schwer es ist, sich entscheiden zu müssen. Wieso haben wir alle das Gefühl, wir müssen uns sofort und in allem irgendwie festlegen?

Ich habe in den ersten 18 Jahren meines Lebens gefühlte 10 verschiedene Sportarten gemacht. Und immer dachte ich, hey, das ist genau mein Ding, das will ich immer weiter machen, und dann hab ich im Jahr darauf aufgehört, weil ich doch lieber was anderes machen wollte was mich irgendwie viel mehr Spaß gemacht hat. Ich habe auch 4, 5 mal angefangen, ein Buch zu schreiben. Mindestens. Wir haben einen Film gedreht und ihn nie geschnitten. Ich habe Bücher nach der Hälfte zurück ins Regal gestellt. Na und? War das schlimm? Bin ich deswegen gescheitert?

Ich will hier jetzt nicht dazu auffordern, weniger ehrgeizig zu sein sondern vielmehr, zu akzeptieren, dass es mal nicht klappt. Dass wir manchmal erst nach mehreren Versuchen das finden, was wir wirklich machen wollen. Und das ist nicht schlimm!! Wir lernen daraus und werden immer besser, wir sammeln Erfahrungen, wir machen Fehler nicht nochmal (oder nicht mehr so oft). Von vorne anfangen, etwas verändern, hat nichts mit Aufgeben zu tun, sondern mit dem Mut, sich einer neuen Herausforderung zu stellen und der Disziplin, es immer wieder zu probieren. Sich immer weiter zu entwickeln, zu dem Menschen, der uns ausmacht.

Wir müssen mutig sein, und vielleicht manchmal auch ein bisschen unvernünftig, damit wir irgendwann da ankommen, wo wir sein wollen. Nicht wo man von uns erwartet zu sein. Wo wir selber sein wollen. Um am Ende nicht da zu sitzen und zu denken, hätte ich es doch einfach mal gemacht. Also, bitte, mach einfach! Mach, was du schon immer machen wolltest, mach was dir Spaß macht. Mach es, um draus zu lernen oder um später davon erzählen zu können. Mach das Beste aus deiner Zeit! Es wird schon alles gut gehen.

So, und zum Schluss noch ein paar inspirierende Zitate, weil die dürfen ja bei solchen Posts nie fehlen und man kann sie sich immer so schön in Notizbücher und Planer schreiben, oder auf Postkarten, oder unter Instagram Fotos. Oder so.
The pessimist complains about the wind; the optimist expects it to change; the realist adjusts the sails.
William Arthur Ward
It’s fine to celebrate success but it is more important to heed the lessons of failure. 
Bill Gates

3 Comments

  1. Rebeca January 29, 2015

    vielen Dank für diesen Post, das ist alles einfach so wahr und das sollte man sich immer wieder vor Augen führen! ich habe das Gefühl das sich alle in unserer Generation so unter Druck setzen, ich selber leider auch oft, aber das ist so schade, denn Fehler zu machen ist so wichtig und wir müssen einfach anfangen aus ihnen lernen und sie als Lebenserfahrung und Teil von uns zu sehen…

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  2. miriam. January 30, 2015

    Toller Text:)
    und das sollte ich mir echt öfter mal überlegen und auch dran denken anstatt alles zu bereuen!

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  3. Liesl March 2, 2015

    Du hast den Text hier so unglaublich schön geschrieben.

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