CONSCIOUSNESS – WAS WIR UNS ENDLICH BEWUSST MACHEN MÜSSEN

In letzter Zeit gibt es mehr und mehr Outfit Posts auf meinem Blog, Fotos, bei denen nichts weiter als ein paar kombinierte Kleidungsstücke zu sehen sind und das har mich ein bisschen zum Nachdenken und jetzt auch zum Schreiben dieses Posts gebracht.

Ich habe in den letzten Jahren nach und nach mein Kaufverhalten ganz schön verändert (und bin trotzdem noch längst nicht da, wo ich mal sein will). Früher bin ich regelmäßig zum Shoppen in die Stadt gegangen, einfach, weil ich Lust hatte, oder Langeweile, oder Geburtstagsgeld übrig, oder so. Ich habe geguckt, ob ich was finde was mir gefällt und wenn es nicht so teuer war und auch ganz hübsch, dann hab ich es einfach gekauft. Das Teil hatte ich dann 2, 3 mal an, dann wanderte es im Stapel immer weiter nach unten, aber egal, war ja auch nicht so teuer. Mit der Zeit entwickelte sich in mir aber etwas, was auch erst mit dem Alter kommen kann, oder mit Reife, oder Erfahrung, oder den unzähligen abschreckenden Filmen, die in der Schule die Leute zum umdenken bewegen sollten. (Hat auch immer ganz gut funktioniert und für die ersten 30 Minuten nach Filmende angedauert, wurde dann aber oft ziemlich schnell vergessen. Nein, verdrängt.) Das was sich bei mir entwickelt hat ist Bewusstsein und mittlerweile ist es für mich zu einem der wichtigsten Werte im Leben geworden.

Mit dem Bewusstsein kam nicht nur eine Abneigung gegenüber unnötiger, spottbilliger Spontaneinkäufe sondern auch eine Begeisterung für wirklich schöne Kleidung, hochwertig verarbeitet und von so guter Qualität, dass die Teile (hoffentlich) mehrere Jahre halten. Einen sehr ausgefallenen Stil habe ich nicht, das macht es mir leichter, mit einem Schrank voller zeitloser Basics bin ich völlig zufrieden aber wichtig ist mir einfach eben das bewusste Einkaufen geworden. Klar, gerne würde ich nur fair produzierte Kleidung kaufen, Kleidung, bei der ich weiß, dass keine unterbezahlten Frauen- oder sogar Kinderhände diese genäht haben. Aber wenn man sich mal ein bisschen Gedanken dazu gemacht hat, weiß man, dass diese Kleidung oft leider nicht nur schwer zu finden, sondern auch meistens sehr, sehr teuer ist. Trotzdem: das ist kein Grund dafür, nicht bewusst seine Kleidung auszuwählen, so, dass man weiß, man wird das T-Shirt mit Sicherheit mehrere Jahre tragen können und so, dass man es endlich, endlich lassen kann, alles in Massen zu kaufen. Ernsthaft, ich finde kaum etwas in der “Mode” verwerflicher, als diese bis zum Bersten gefüllten Tüten von Modeketten. Und nein, damit meine ich nicht, dass ich billige (und damit leider auch fast nur unter schrecklichen Arbeitsbedingungen produzierte) Kleidung für das Hauptproblem halte. Ich weiß, es ist nicht für jeden finanziell leicht, sich Gedanken über die Qualität seiner Kleidung zu machen und ich weiß auch, dass bei den meisten teuren Modemarken genau die gleichen schrecklichen Produktionsbedingungen herrschen. Sondern ich meine dieses Unbewusstsein, mit dem sich die meisten (nicht alle! ich möchte hier keine Vorurteile aufstellen) ihre Kleidung auswählen. Dieses Unbewusstsein darüber, dass es qualitative T-Shirts gibt, die fünf mal so lange tragbar sind wie die für 2,99€ und man greift trotzdem zu den Billigen, nein, nicht zu einem der Billigen sondern fünf davon, die halten ja eh nicht so lange.. Oder?
Ich habe lange überlegt, wie ich über dieses Thema schreiben kann, ohne, dass es abwertend klingt und ohne, dass der eigentliche Sinn verloren geht. Ich würde mir einfach mehr Bewusstsein wünschen, bei uns allen. Ich bin ja selber auch kein Vorzeigebeispiel, manchmal wandert dann doch etwas in meinen Kleiderschrank, bei dem ich weiß es wird die Saison kaum überstehen. Aber ich versuche es wenigstens. Ich habe meine liebsten Kleidungsstücke in Second Hand Läden und auf Kleiderkreisel gefunden (ja, wenn man da ein bisschen sucht findet man manchmal sogar genau das, was man sich gerade im Laden kaufen wollte), habe New York anstatt mit prall gefüllten Tüten mit drei wunderschönen, zeitlosen und in Amerika unter fairen Bedingungen produzierten T-Shirts verlassen (und es waren trotzdem auch noch ein Paar Adidas Sneaker dabei). Wir müssen anfangen, Kleidung wertzuschätzen, und sei es die viel zu teure aber doch so perfekt sitzende Jeans, oder das schlichte Basic Top, was man für nicht einmal ein Zehntel des Geldes gekauft hat. Na klar, wunderschöne und fair produzierte Kleidung wie die von Acne oder ähnlichen High End Marken kann sich kaum einer von uns leisten. Aber trotzdem: alles, was von Menschenhand gemacht wird, hat einen Wert, und wenn das nur ein Bruchteil von uns mal verstehen würde und in diesem Sinne bewusst einkaufen, die Dinge wertschätzen und bei Second Hand nicht gleich die Nase rümpfen würde, wäre das wenigstens schonmal ein kleiner Fortschritt.

Und sonst kann man sich auch einfach mal ein bisschen informieren, es gibt mittlerweile so viele tolle Blogs, die sich Fair Trade Mode verschrieben haben, wunderbar über ihre Erfahrungen und Käufe berichten und dabei nicht nur auf High End durch Handarbeit produzierte Produkte zurückgreifen. Ich lese total gerne den Blog DariaDaria, wie bereits in meiner Fair Wish List erwähnt, die Frau ist einfach klasse, hat einen total schönen authentischen und echten Schreibstil und ist eine der wenigen, die gemerkt hat, wie viel Einfluss sie hat und was für eine große Anzahl von Lesern sie damit erreichen kann. Ihr Blog hat mich auch wieder einmal dazu gebracht, etwas zu diesem Thema hier zu schreiben. Außerdem bin ich auf den wunderschönen Blog Hey Lila Hey gestoßen, die sich genauso viel Gedanken um bewusstes, nachhaltiges Einkaufen macht. Ob ihr jetzt Lust habt, mehr darüber zu lesen oder nicht, bitte bitte lasst uns doch alle einfach mal angewöhnen, uns vor jedem Einkauf ein paar Fragen zu stellen: Brauche ich das wirklich, werde ich den ganzen Tag glücklich sein, wenn ich es tragen kann, ist es so wunderbar angenehm zu tragen, dass ich das auch nächstes Jahr noch tun will?? Bewusstsein ist ein erster winzig kleiner und doch so wichtiger Schritt.

6 Comments

  1. G. May 13, 2015

    Sehr toller Beitrag!
    Ich denke, die meisten würden, wenn sie die Wahl hätten, zu fair produzierten und lange tragbaren Kleidungsstücken greifen. Das Problem ist auf jeden Fall, dass man 1. keine Ahnung hat wo man sowas her bekommt. Dafür müsste man sich sehr stark mit dem Thema auseinander setzen und recherchieren.
    2.Du hast recht meistens sind solche Kleidungsstücke sehr sehr teuer. Ich als Studentin könnte es mir kaum leisten meinen Kleiderschrank mit fairer Kleidung auszustatten.
    Ich finde solche Bedingungen sehr schade. Hoffentlich wird die Welt in der Zukunft um einiges bewusster und bietet neue Möglichkeiten…
    Liebe Grüße <3
    http://dreamyya.blogspot.de/

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  2. Solveig F. May 13, 2015

    Sehr schön, ein Post über bewusstes Konsumverhalten, der nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommt. Denn genau der schreckt viele ab, die anfangen wollen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.
    Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Auch ich bin kein Vorzeigebeispiel, wenn es ums Kaufen von fair produzierter Kleidung geht, aber ich befinde mich auf dem gleichen Weg wie du. Und ich finde es auch jedes Mal furchtbar, wenn ich in der Stadt Massen an Menschen mit riesigen Tüten voller Klamotten herumlaufen sehe. Wozu braucht man denn so viel? Klar, wenn man bei Primark und Co kauft, halten die Sachen nicht besonders lange und man braucht schon wieder neue. Das ist ja auch das Prinzip der "Fast Fashion". Aber ist das wirklich nötig? Müssen wir uns jede Saison neu einkleiden? Ich glaube nicht. Stattdessen bin ich genau wie du dafür, dass man die Sachen, die man hat, wertschätzt und bei Neukäufen auf die Qualität achtet, damit die Sachen möglichst lange halten. Gleich fair produzierte Mode zu kaufen, wäre natürlich noch besser, aber das hat eben auch seinen Preis. Nicht jeder kann sich das leisten. Und abgesehen davon finde ich einen Großteil davon optisch nicht besonders ansprechend, aber das ist nur meine Ansicht.
    Moin Yamina hat zu diesem Thema ein tolles Video gemacht. Falls du es noch nicht kennst, kannst du hier mal vorbei schauen: https://www.youtube.com/watch?v=eYbDM5Z9q_M
    LG, Solveig

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  3. Clara May 13, 2015

    Danke dir, das werde ich mir mal angucken!! 🙂 Liebe Grüße, Clara

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  4. Hannah Little Ocean May 13, 2015

    Der Text ist wirklich interessant. Ich selbst finde es auch wichtig zu wissen was man kauft, wo und wie es produziert wurde. Es ist aber echt schon schwierig Kleidung aus 100% Baumwolle zu finden. Und ich denke auch, dass man nicht immer Fair oder Bio einkaufen kann ( das ist bei Lebensmittel genauso), aber man sollte darauf achten bewusst einzukaufen.
    Echt schön, dass du das Thema angesprochen hast!

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  5. mari.dalor May 16, 2015

    Ganzganzganz toll geschrieben! Du hast ganz authentisch die richtigen Worte gefunden. Und ich gebe dir recht, dass es ein zum Teil langer Prozess der Erkenntnis und Reife ist – einer, zu dem viel viel mehr Menschen gelangen sollten. Wenn man einmal so weit ist, werden die "Ausrutscher" immer weniger und bewusster. Wahrscheinlich fallen sie irgendwann ganz weg. Darauf arbeite ich hin.

    Alles Liebe,
    Mari

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  6. Bibi King May 22, 2015

    Hallo Clara,

    du sprichst mir aus der Seele. Mir geht es ganz ähnlich wie dir und ich kündige schon seit Februar einen Post an, in dem ich genauer erkläre, weshalb ich nur noch fair und Vintage kaufe. Aber irgendwie will der Text nicht so leicht von den Fingern, aber ich arbeite dran.

    Mir hat sich der ganze Fashionblogger-ständig-das-Neuste-haben-Zirkus noch nie erschlossen. Klar, ich war auch "am Anfang" mit dabei und habe eben meine täglichen Outfits hochgeladen. Doch da ging es gar nicht darum andere zum kaufen zu animieren, sondern einfach ein paar Optionen aufzeigen. Das finde ich das schöne und den eigentliche Kern von Fashion- und Lifestylebloggern. Trends und Ideen aufzeigen ohne zum ständigen Konsum aufzufordern.

    Ich habe mich schon ein paar Mal mit Projekten an eine minimalistische Garderobe rangewagt und es fällt erstaunlich leicht, wenn man es denn will. Und auf ein Jahr auf Shopping zu verzichten, klappt auch wunderbar. Genau das habe ich 2012 gemacht und ganz nebenbei noch jeden Tag ein unterschiedliches Outfit aus meinem Kleiderschrank getragen.
    Alles kein Problem mit einem Shoppingverhalten, bei dem ständig mal hier, mal da ein Kleidungsstück mitgenommen wird. Ohne das ganze ständige Shopping geht es mir viel besser und ich habe auch viel mehr Zeit für andere Dinge im Leben.

    Liebe Grüße,
    Bibi

    P.S. Ich verlink dir mal meine Projekte, falls es dich interessiert.
    Ein Dutzend Kleidungsstücke für einen Monat: http://mrs-kings-castle.blogspot.de/search/label/ein%20dutzend%20kleidungsst%C3%BCcke%20f%C3%BCr%20einen%20monat
    30 Kleidungsstücke für 30 Tage = 30 verschiedene Outfits: http://mrs-kings-castle.blogspot.de/search/label/30×30
    Anti-Shopping und 1 Jahr jeden Tag ein anderes Outfit tragen: http://mrs-kings-castle.blogspot.de/2011/12/wardrobe-mix-2012.html

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